Schön war’s 2019 … schön wäre es 2020 gewesen…

Lust und Frust der Festivalorganisation

von Kathrin Gensler, 1. Vorsitzende Erlanger Tanzhaus e.V.

Fast anderthalb Jahre lang sind das Vorbereitungsteam des Erlanger Tanzhauses und besonders ich als Hauptorganisatorin und Vereinsvorsitzende normalerweise mit der Organisation von unseren viertägigen Festivals beschäftigt. Vorbereitungstreffen finden statt, in denen Ideen gesammelt, abgestimmt und fortentwickelt werden. In der Folge werden die Tanzsäle organisiert, Musikgruppen, auf die wir uns geeinigt haben, kontaktiert, Verträge mit ihnen geschlossen, Feinabsprachen getroffen, das Programm zusammengestellt, veröffentlicht und beworben mit Flyern, auf der Homepage, über Facebook, in Newslettern und Folkverteilern, die Anmeldung der Teilnehmer vorbereitet und betreut, die Verpflegung und Unterkünfte der Künstler organisiert … und… und … An der Spitze des Teams muss ich vor allem alle Mitstreiter in der Organisation bei der Stange halten, Informationen verteilen, kommunizieren und motivieren, die Aufgabenerledigung immer wieder kontrollieren, schauen ob alles planmäßig läuft, notfalls nachhaken und nachjustieren. Alles in allem ein echter Kraftakt.

Nach all diesem Anstoßen, Kümmern, Im-Auge-Behalten, Einzelheiten-Klären, ist es dann geradezu erlösend, das Festival laufen zu sehen, die Früchte der Arbeit zu ernten. So durfte ich auch unser Bal Folk Festival 2019 wieder erleben. Alles lief schon fast erschreckend reibungslos, die Teilnehmer zeigten  fröhliche Gesichter, waren gut gelaunt , haben getanzt bis spät in die Nacht bzw. in den frühen Morgen, die Künstler, allesamt pünktlich eingetroffen und ohne Starallüren, übertrafen sich selbst mit ihren schwungvollen Auftritten, haben sich untereinander bestens verstanden und waren auch noch  voll des Lobes für die gute Organisation, die tolle Stimmung und die nette Betreuung (was natürlich ganz besonders runter geht wie Honig…). Überall wurde gelacht, getanzt, geschwitzt, phantastischer Musik gelauscht … sogar die zahlreichen fleißigen ehrenamtlichen Helfer an Theke, Kasse und in der Küche schienen entspannt zu sein und trotz ihres zum Teil ganz erheblichen Einsatzes das Festival zu genießen. Alles in allem ein wirklich tolles Gemeinschaftserlebnis, das Kraft und Motivation gibt für Kommendes.

Neben dem Erfolg der Veranstaltung haben auch die kleinen Erlebnisse am Rande ausgesprochen motivierende Wirkung für die nächste Festivalrunde. 2019 war dies z.B.  ein  kleiner Moment im „Back-stage-Bereich“, als sich drei Musiker, jeder auf seine Weise sich der Entspannung vor dem Auftritt gewidmet haben, als ich dort eingedrungen bin: der eine, mitten im Durcheinander des zum Künstlerraum umfunktionierten Stuhllagers saß  auf einem Stuhl,  den Kopf zur Seite gekippt, Augen geschlossen und offensichtlich schlafend, seine Mitmusikerin daneben stand auf einem Bein bei akrobatischen Yoga-Verrenkungen und, in unmittelbarer Nähe auf dem einzigen freien Fleckchen am Boden, kniete der dritte im Bund auf einem Gebetsteppich und betete (meiner Einschätzung nach den Osten aber leicht verfehlend …). Es war ein so buntes Bild friedlicher Koexistenz, innerer Zufriedenheit und tiefer Ruhe nur eine Türbreite vom Trubel entfernt, das in diesem Moment einfach beeindruckend, völlig überraschend und auch irgendwie ansteckend war und in besonderer Erinnerung geblieben ist.

Von dem Erfolg des 2019er Festivals also erfüllt, ging es dann mit neuem Elan in die nähere Vorbereitung des Festivals 2020. Im Wechsel mit dem kleineren Bal Folk Festival in den ungeraden Jahren findet in Erlangen in den geraden Jahren das „große“ internationale Festival statt. Das bedeutet mehr Gruppen, mehr Säle, mehr Workshops und Bälle… insgesamt auch deutlich mehr Arbeit. Kleinere und größere Probleme im Vorfeld wurden aus dem Weg geräumt. Vor allem hat uns der überraschende Tod der Musikerlegende Yves Leblanc zu schaffen gemacht. Er hatte im Frühjahr 2019 zugesagt, uns im Oktober von seiner Krankheit berichtet und Optimismus verbreitet, dass bis April 2020 alles wieder gut sein wird. Nur eine Woche später kam sich die Nachricht in allen Folkmedien, dass das leider nicht der Fall war… Mit seinem Schüler und Freund Cédric Falala hatten wir aber wenigstens einen guten Ersatz gefunden.

Als alles dann in den Endspurt hätte gehen können, ja, da kam das unsichtbare, bedrohliche Spielverderber-Virus Corona, das die Tanzszene von heute auf morgen lahmlegte. Plötzlich geschlossene Grenzen (das heißt keine Musiker aus Frankreich, Belgien, Niederlande, England…), Veranstaltungs-, Ausgeh- und Annäherungsverbot auf unbestimmte Zeit… das jähe und definitive Aus des Tanzfestes! Es ist nicht leicht, die Enttäuschung hinunterschlucken und die Moral und die Kraft für den Rückabwicklungsmodus aufzubringen, den Künstlern abzusagen, Räume zu stornieren, die angemeldeten Teilnehmer zu informieren, Tickets zurückzuerstatten …  Aber was muss, das muss eben!

Wie viele andere Veranstalter haben auch wir unser Festival verlegt auf das Jahr 2021 – gleiches Programm, nur ein Jahr später (29.4. bis 2.5.2021, falls es sich schon jemand merken mag), das ist jetzt unser Ziel und Gott sei Dank haben die meistens Musiker auch schon zugesagt.  Wir hoffen, dass bis dahin die Tanzlust der Teilnehmer und die Spielfreude der Musiker durch die Durstphase nur noch steigt, uns auch die Helfer die Treue halten und das Virus in der Tanzszene in Erlangen und anderswo jedenfalls keine bleibenden Schäden anrichtet smiley.